725 Jahre Dabel - Eine Chronik

Das Werk "725 Jahre Dabel - Eine Chronik" stellt einen umfassenden Überblick der Geschichte der Gemeinde Dabel dar und wurde anlässlich des 725. Jahrestages der ersten urkundlichen Erwähnung der Ortschaft Dabel herausgegeben. Autoren dieses Werkes waren Fritz Ahrens, Karl Henning, Bernd-Ulrich Nüsch, Horst Roggenbau, Edmund Sambor, Hans Schmedemann und Karlheinz Schwabe. Die Auszüge wurden im Originaltext auf die Internetseite gestellt. Ich möchte diese Seiten jedoch nicht unkommentiert hier veröffntlichen. Die Chronik stellt an sich eben auch schon ein Stück Geschichte dar.

Geprägt ist die Chronik von den aufwendigen und bewundernswerten Recherchen der Autoren. In mühevoller Kleinarbeit haben Sie Material aus der 725-jährigen Geschichte Dabels zusammengetragen.
Natürlich hat auch die Zeit in der Sie entstand, der Chronik ihren Stempel aufgedrückt. So finden Sie neben den historischen Fakten auch die für die 80-er Jahre in der DDR typischen Floskeln wie die "weitere Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft" oder "die Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus durch die ruhmreiche Sowjetarmee". Nehmen Sie diese Chronik also als Teil der Geschichte wahr und nicht als die Meinung der Dabeler oder der Betreiber dieser Seite.

Gewürdigt werden soll an dieser Stelle und mit diesen Auszügen die leidenschaftliche Arbeit der Autoren, welche in Ihrem Vorwort zur Chronik treffend schreiben:

"Die Geschichte ist die Lehrmeisterin des Volkes. Darüber hinaus hat sie die hohe Aufgabe, die Liebe zum Volk und zur Heimat zu wecken und zu pflegen."

Leider ist dieses Buch nicht mehr im freien Handel erhältlich. Den gesammten Inhalt des Buches können Sie aber auf der Seite www.dabel.eu einsehen.

 

Vorwort von 1987

Die Geschichte ist die Lehrmeisterin des Volkes. Darüber hinaus hat sie die hohe Aufgabe, die Liebe zum Volk und zur Heimat zu wecken und zu pflegen.

Auch unser Heimatort hat seine historische Vergangenheit im Verlaufe der Weltgeschichte. Mit der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus durch die ruhmreiche Sowjetarmee im Mai 1945 hielt in unserem Heimatort Dabel der gesellschaftliche Fortschritt ebenfalls Einzug.

Durch die weitere Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in der Deutschen Demokratischen Republik schaffen wir gemeinsam die Voraussetzungen für ein glückliches Leben in Frieden und Wohlstand.

Nur derjenige, der die Geschichte seiner Heimat kennt, wird seine heutige Umgebung, die politische Entwicklung in ihrer vollen Tragweite erkennen, verstehen und bereit sein, sich für die Interessen unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates einzusetzen.

Die Geschichte unseres Heimatortes muss deshalb weiterhin in der Erinnerung eines jeden Bürgers unserer Gemeinde bleiben, und zwar zum Nutzen der gegenwärtigen und kommenden Generationen.

In diesem Sinne sollen die nachfolgenden Beiträge zur Chronik unseres 725-jährigen Dabel verstanden sein.

Die Autoren

[Fritz Ahrens, Karl Henning, Bernd-Ullrich Nüsch, Horst Roggenbau, Edmund Sambor, Hans Schmedemann, Karlheinz Schwabe]

 

Aus der Ur- und Frühgeschichte Dabels

Mit dem Abschmelzen der großen Eismassen der letzten Eiszeit um etwa 10000 v. u.Z. war die Erde unserer Gegend kahl und leer. Die Eismassen hatten durch Schürfungen große Mengen an Sand, Kies, Geröll und großen Steinen (Findlinge) mitgebracht, die die jetzige Endmoränenlandschaft bei uns formten. Allmählich bildete sich wieder eine Vegetation in Form von Moosen, Gräsern und Blumen. Auch ein Wald entstand aus Zwergbirken und Kiefern. Später bildeten sich wieder richtige Wälder mit Baumarten, wie wir sie auch heute noch haben. Mit der Entwicklung der Flora entstand auch die Fauna. Wo Pflanzenwelt und Tierwelt in Ordnung waren, konnte auch der Mensch leben. Und so wurde unsere Gegend so nach und nach besiedelt.

Die ältesten Zeugen menschlicher Siedlungstätigkeit in Mecklenburg stammen aus der Steinzeit. Die Menschen lebten in der Mittelsteinzeit (um 8000-3000 v.u.Z.) als Jäger, Fischer und Sammler, in der folgenden Jungsteinzeit (3000-1800 v.u.Z.) als Ackerbauern und Viehzüchter. Von ihnen kennen wir zahlreiche archäologische Bodenfunde, vorwiegend aus Feuerstein und Felsenstein, aber auch aus Knochen und Geweih, Bernstein und Ton. Zu den Funden zählen zierliche Feuersteingeräte und Pfeilspitzen, Feuersteindolche und -sicheln, verschiedene Typen von Steinbeilen und -äxten, dazu Harpunen und Hacken aus Geweih und Knochen. Der Berrnstein wurde zu Schmuck verarbeitet.

 

Die Bronzezeit von 1800 v.u.Z. bis 600 v.u.Z

Nach anfänglich eingeführten bronzenen Gegenständen begann im Norden Europas eine umfangreiche Bronzeverarbeitung durch einheimische Bronzewerker. Die Bronze wurde meist in Barrenform und zwar in Ringbarren importiert, zudem wurde Bronzeschrott sekundär verarbeitet. Offenbar war in dieser Zeit die Viehzucht dominierend, und erst am Ende der Bronzezeit gewann der Ackerbau mehr an Bedeutung.

Zu den archäologischen Bodenfunden dieses Zeitabschnittes gehören neben den bronzenen Tongefäßen und Reste davon, bestimmte Typen von Steinäxten und Feuersteinpfeilspitzen, Bernstein und Knochenfunde u.a. Aus Bronze wurden Arbeitsgeräte wie Pfrieme, Beile, Sicheln, Waffen wie Dolche, Schwerter,

 Schmuck wie Fibel, Perlen, Halskragen, Arm-, Hals- und Fingerringe, Gebrauchsgegenstände wie Nadeln, Pinzetten, Rasiermesser, Knöpfe und die prächtigen Hangebacken hergestellt. Ein großer Teil unserer Funde stammt aus den Hügelgräbern, die in großer Zahl in unserer Landschaft erhalten sind.

Mit dem Übergang zur Leichenverbrennung erfolgt die Bestattung in Urnen, die außer in Hügelgräbern auch auf Urnenfriedhöfen beigesetzt wurden. Oberflächenfunde beschränkten sich meist auf Einzelstücke und vor allem auf Tonscherben und Branderdestellen als Anzeichen einstiger Siedlungsplätze.

 

Die Eisenzeit von 600 v.u.Z bis 600 u.Z

Mit der bodenständigen Eisenerzeugung bei den einheimischen germanischen Stämmen setze sich ein schneller wirtschaftlicher Aufschwung ein, verbunden mit Veränderungen in der gesellschaftlichen Struktur. Im Verlaufe dieser Entwicklung bildete sich eine Adelsschicht heraus, die durch besonders reich ausgestattete Gräber repräsentiert wird. Häufig enthalten diese Gräber Importgegenstände aus den Werkstätten des römischen Imperiums. Durch schriftliche Quellen sind uns Stammesnamen der germanischen Bewohner Mecklenburgs überliefert, wie Langobarden, Sueben u.a. Die Funde spiegeln die Entwicklung der Eisenmetallurgie deutlich wider. Zunächst wurden nur kleine Schmuck- und Gebrauchsgegenstände erzeugt wie Nadeln, einfache Fibeln, Gürtelverschlüsse und Rasiermesser, später traten dazu Schwerter, Schildbestandteile und Sporen. Im Kunstgewerbe wurde weiterhin Bronze verarbeitet, vorwiegend zu den verschiedensten Fibeln, Nadeln und Ohrringen. Daneben gibt es auch Schmuck aus Silber, Gold und Glas. Unter den Tongefäßen fallen schwarze Terrinen mit sogenannter Rollrädchenverzierung besonders auf.

Neben Oberflächenfunden stammen die meisten germanischen Funde Mecklenburgs aus Urnengräbern, die auf oftmals ausgedehnten Gräberfeldern in großer Zahl gefunden wurden. Sichtbare Bodendenkmäler sind selten. Hierzu zählen die sogenannten Steintänze.

 

Die Slawenzeit von 600 u.Z. bis 1200 u.Z.

Nach der Abwanderung des größten Teils der germanischen Bevölkerung während der Völkerwanderungszeit wurde Mecklenburg von slawischen Stämmen besiedelt, die sich zu großen Stammesbünden vereinigten (Obotriten, Liutizen). In dem das ganze Land überziehenden Burgensystem spiegelt die endgültige Auflösung urgesellschaftlicher Verhältnisse und die Herausbildung der feudalen Gesellschaftsordnung wider. Neben den Burgen kennen wir aus Mecklenburg eine große Anzahl slawischer Siedlungsplätze. Sie wurden fast ausschließlich durch Oberflächenfunde entdeckt.

An erster Stelle sind unter den Funden Tonscherben zu nennen, die oftmals zu reich verzierten Gefäßen gehören. Daneben kennen wir Funde aus Haus und Hof wie Äxte, Messer, Sicheln, Knochenpfrieme, Spinnwirtel, Rundmühlen, Schmuck und Trachtenbestandteile wie Fingerringe, Schnallen, Kämme, Reste von Lederschuhen und viele andere Gegenstände. Als staatlich geschützte Denkmäler gibt es die Burgwalle.

 

Die Frühdeutsche Zeit nach 1200 u.Z.

Im Zuge der Feudalen Ostexpansion zogen deutsche Ritter, Bauern, Handwerker und Kaufleute in das slawisch besiedelte Land. Dabei wurde den Slawen das Christentum aufgezwungen. Es kam zu einer Verschmelzung der slawischen und deutschen Bevölkerungselemente.

Die slawischen Burgen wurden größtenteils aufgegeben. An ihre Stelle traten kleine Rittersitze. Auf einem durch Gräben und oft auch Wall geschützten kleinen Hügel stand einstmal ein Wohn- und Wehrturm. Zu dem Fundgut zählen Reste meist blaugrauer Tongefäße verschiedener Form, mittelalterliche Schwerter, Sporen, Lanzenspitzen, Armbrustbolzen, Holzteller, Messer und viele andere Funde. Fassen wir noch einmal zusammen. Welche Zeit hat welches sichtbare Bodendenkmal hinterlassen:

Die Steinzeit die Großsteingräber
Die Bronzezeit die Hügelgräber
Die Eisenzeit die Steintänze
Die Slawenzeit die Burgwälle
Die Frühdeutsche Zeit die Turmhügel

Alle diese Bodendenkmäler sind auch im Kreis Sternberg mit Beigaben und Geräten zu finden. Eine Zusammenstellung bis 1966 hat die frühere Kreisbodendenkmalpflegerin, Frau Gärtner, Ventschow in ihrem Buch "Die ur- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde des Kreises Sternberg" angefertigt. Was finden wir nun speziell auf der Gemarkung Dabel?

2 Großsteingräber in der Nähe des Dabeler Sees, davon 1 beschädigt,
2 Hügelgräber auf dem früheren Acker von Paul Döscher, nordwestlich vom Bahnhofsgelände, Flint- und Felsgesteingeräte jeglicher Art.

Tonscherben aus den verschiedenen Zeitaltern. Siedlungsplätze aus der mittleren und jüngeren Steinzeit. 1 slawischer Siedlungsplatz am Holzendorfer See.

Auf den nächsten Seiten gehen wir kurz auf die sichtbaren Bodendenkmäler der Gemarkung Dabel ein.

 

Bodendenkmäler rund um Dabel

Als Zeugen der frühen Besiedlung gibt es in der Gemeinde Dabel einige Bodendenkmäler. Auch hier beziehen wir und wieder auf das Werk 725 Jahre Dabel - Eine Chronik. Im fogenden erhalten Sie einen kurzen Überblick über in der gemeinde Dabel zu findenden Großsteingräber, Hügelgräber, den slawischen Burgwall und Siedlungsplatz.

Großsteingräber

Das Großsteingrab am Dabeler See wurde im September 1966 von Gudrun Sommer vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin auf Anordnung der Forschungsstelle vom Schweriner Museum untersucht.

Dieser Dolmen - so nennt man auch diesen Typ der Großsteingräber - ist ein Typ seltener Art, der bisher aus Mecklenburg nur von Plaaz, Kreis Güstrow, bekannt war und auch sonst sehr selten war. Der gewaltige Deckstein liegt nicht mehr auf den Wandsteinen. Er hat durch sein Gewicht die östlichen Wandsteine beiseite gedrückt und die eine Langseite liegt fest auf dem Pflaster. Von den 6 Wandsteinen ist einer nicht mehr vorhanden. Der Schlußstein ist aber noch dort und steht wahrscheinlich noch in seiner usprünglichen Lage. Die Kammer ist mit rundlichen und nicht mit gespaltenen Steinen ausgelegt.

Unter der Steinschicht befindet sich eine 5 cm starke Lehmtenne, die ihrerseits von einer 3 cm starken Schicht gebrannten Feuerstein bedeckt war. Dann folgte die etwa 20 cm starke Fundschicht. Als Hauptfunde wurden angegeben:

2 Felsgesteinäxte mit gekniffenen Nacken,
2 dicknackige, hochgeschliffene Feuersteinbeile,
2 querschneidende Pfeilspitzen,
einige Klingen und eine große Anzahl von Scherben aus verschiedenen Zeitaltern.

Hügelgräber 

Hügelgräber auf dem Acker von Paul Döscher (nordwestlich vom Bahnhofsgebäude) befinden sich noch die beiden gut sichtbaren Hügelgräber. Beide Gräber wurden untersucht und bei beiden wurde ein tiefer Krater hinterlassen. Die Ränder sind scharf abgepflügt.

Das größere Grab ist mit Weißdorn und das kleinere mit Ginster bestanden. Das große Grab wurde 1856 untersucht von Pastor Böckler und Erbpachter Schmidt. Das Grab hatte eine Höhe von 4 m und einen Umfang von 69 m. Es stand auf einem flachen Hügel, an dessen Hang ein zweiter, etwas kleinerer Hügel lag. In der Nähe sollen auch mehrere flache Hügel gelegen haben, die zur Zeit der Untersuchung aber schon zerstört waren.

Das kleinere Grab wurde scheinbar auch ausgegraben. Bei allen Gräbern wurden reiche Funde gemacht:

goldener Spiralfingerring,
Schwerter verschiedener Art,
Feuersteinpfeilspitzen, herzförmig,
Gewandnadeln,
Schmuckdose,
Bronzemeißel,
Armringe,
verschiedene Messerarten und anderes mehr.

Slawischer Burgwall 

Der Burgwall, auch Schwedenschanze genannt, liegt auf dem Werder. Der Werder ragt im Westen des Klein Pritzer Sees weit in den See hinein.

Es handelt sich um einen Burgwall, der außer auf der Seeseite rings von Wall und Graben geschützt war. Der Durchmesser beträgt etwa 75 Meter. Die Wallkrone ist innen nirgends höher als 1 bis 1,5 m über den Burgplatz.

Er ist noch gut erhalten, wurde jedoch an derTorwange vor 1940 angegraben. Dieser slawischer Burgwall wurde in Kriegszeiten als Zufluchtsort genutzt.

Slawischer Siedlungsplatz 

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft gruben auf dem Siedlungsplatz 21 Brandstellen aus. Gefunden wurden zahlreiche slawische Scherben mit und ohne Verzierungen vom Sukower über den Feldberger bis hin zu den spätslawischen Typen. Außerdem wurden gefunden:

1 Nacken eines Feldgesteinshammers,
1 Schenkel einer Schere aus Eisen,
1 Messer, mehrere undefinierbare Eisenteile,
1 Spinnwirtel, Eisenschlacke und 1 Steinpflaster.

Zur Unterstützung der Archäologen haben sich die für Ur- und Frühgeschichte interessierenden Personen zu Arbeitsgemeinschaften zusammengeschlossen. Im Kreis Sternberg wurde ebenfalls eine Arbeitsgemeinschaft gebildet.

Die Mitglieder suchen auch die Fundplätze von Dabel ab und führen auch Grabungen in Absprache mit der Schweriner Forschungsstelle durch. Die Funde werden registriert und abgeliefert an das Museum für Ur- und Frühgeschichte Schwerin.

Nächste Termine

Kalender 59. Dabeler Dorffestspiele Festplatz am Holzendorfer See 19.07.2019 14:00 - 21.07.2019 15:00

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